Mitarbeiter des Monats

experimenteller, narrativer Kurzfilm
11,5 Minuten
2017

Team
Schauspiel: Anjorka Strechel & Arne Krause

Regie: Caroline Schwarz

Kamera: Sergi Sánchez Rodriguez

Szenenbild: Anne-Simone Vogt

Kostümbild: Rosa Barz

Musik: Pia Achternkamp

Licht: Hannes Schulze

Regieassistenz: Zuzanna Grajzer

Kameraassistenz: Aline Juarez Contreras

O-Ton: Joshua Conens

Tonassistenz: Lena Stoll

Maske: Elena Ziegler

Catering: Katharina Menne

https://vimeo.com/201591435

Synopsis
„Ein mysteriöses Filmteam begleitet Herrn und Frau N. dabei, wie sie beim Probearbeiten in der Kaugummisortierabteilung lernen, dass eine Schüssel immer leer bleibt.“
Zwei Schauspieler in vier Rollen agieren und reflektieren auf die eigentlich Hauptfigur des Filmes: das System. Im Prozess der Moderne treten sich Menschen weniger als Einzelpersonen in Konflikten gegenüber, sondern als Vertreter in einem System. Über eine Impro entstanden arbeitet der Film mit Rollenwechseln, Interviews und einer abstrahierten Welt, um den Blick humorvoll auf die Auswirkungen von gewachsenen Prinzipien und Hierarchien als Selbstläufer zu richten.

Wie kam es zu dem Film?
Das war mehr oder weniger ein glücklicher Zufall und ist quasi die Backstory zu einem anderen Film. Wir bekamen von einer Dozentin die Aufgabe, eine Regieübung zum Thema „Impro“ zu machen. Die Vorgabe war, mit zwei Schauspielern und Improvisation zu arbeiten. Normalerweise hasse ich Übungen, weil ich nie Feuer und Flamme bin, wenn ich nichts zu erzählen habe, aber währenddessen schrieb ich gerade an meiner Filmidee „Niemand tut es“ und kam dann auf die Idee, die Impro einfach als eine Art Schreibanregung zu nutzen und mit den beiden Schauspielern einen Aspekt an meiner Kaugummiwelt zu erkunden, an den ich gerade sowieso eine Frage hatte. Nämlich Routine. Die beiden Schauspieler kenne und schätze ich einzeln von vorher und hab sie deswegen gefragt, ob sie nicht Lust hätten. Hatten Sie.

Und dann?
Dann kamen die zwei zu mir nach Hause. Ich hab ihnen Hintergrundtexte zur Kaugummiwelt gegeben und einige Dinge dazu erzählt und dann haben wir praktisch auch schon angefangen. Mein Ansatzpunkt war das Sortieren von Kaugummis. Das hatte mit meiner Story überhaupt nichts zu tun – erschien mir aber ein wunderschöner Startpunkt für extreme Routine. (lacht) Und so entstand die Backstory von der Kaugummisortierabteilung der Firma Kaugummi Inc…

Gab es sonst irgendwelche Vorgaben?
Nein. Ansonsten gab es erst mal wirklich gar nichts. Es war völlig unbefangenes Herumgespiele. Irgend- wann sagte die Schauspielerin dann, sie hätte gerne einen Status. Also beschlossen wir, sie ist der Boss und er wird eingearbeitet.

Da gab es noch gar keinen Wechsel?
Nein, nein. Die beiden haben dann immer wieder gespielt und ich habe mich köstlich amüsiert und aufgenommen. Und irgendwann hab ich dann gesagt, wechselt doch mal. Das war dann noch köstlicher. Weil die abstrusen Regeln, die sich die beiden unterwegs nach und nach ausgedacht hatten, für mich noch viel besser zur Geltung kamen. Und weil die beiden auf ein mal gleich vier so tolle Figuren hatten, hab ich dann hinterher spontan angefangen sie zur Situation zu interviewen. Und mich weggeschmissen (lacht).

Wie lange ging eure Impro?
Wir waren vielleicht 2-3 Stunden zusammen bei mir im Wohnzimmer. Inklusive Texte lesen und Kaffee trinken. Das ging zack, zack. Am Ende habe ich das Ganze dann nachts für unsere Präsentation in der Klasse zusammengeschnitten. 8 Minuten waren das dann und ich war völlig hin und weg. Ich fand die ganze Idee und die beiden so großartig, dass ich sofort gedacht hab: „Das müssen wir noch mal drehen!“

Weil?
Na die Impro hatten wir einfach so gedreht, ohne richtigen Ton, mit der Spiegelreflex. Und der ganze Wohnzimmer-Hintergrund passt natürlich auch überhaupt nicht zu meiner Kaugummiwelt. Und ich fand die Form einfach so gut!

Und dann hast du das ganze als Drehbuch aufgeschrieben?
Nein. Ich wollte wieder mit Impro arbeiten, weil mir das für so eine pseudo-dokumentarische Idee super gefallen hat. Normalerweise bin ich kein Impro-Fan, weil man dann filmisch viel zurückstecken muss,- Jump-Cuts hat usw. Für das Schauspiel allerdings ist es natürlich großartig. Vor allem, weil die beiden so gut improvisieren können! Und dadurch, dass es eine Art gefakte Dokumentation ist, funktioniert das simple Filmische mit der Möglichkeit der Interviewunterbrechungen für mich trotzdem hervorragend. Es war also ideal dabei zu bleiben. Ich habe natürlich trotzdem sehr viel vorbereitet und versucht den Verlauf in verschiedene Teile zu unterteilen. Es ging ja auch darum, mit derselben Idee, wieder etwas Neues entstehen lassen zu können.

Das wollte ich gerade fragen, ist es denn nicht schwierig, dasselbe noch mal zu improvisieren?
Da haben mich ganz viele Leute nervös mit gemacht. So nach dem Motto „Das wird nie wieder so gut“. Das ist „die Magie des Augenblicks“ usw. Aber das war eigentlich kein großes Problem. Alle Geschich- ten kamen ja aus sehr dezidierten Hintergründen der Welt und den Regeln, die sich daraus ergeben haben. Ich habe all das einfach noch detaillierter ausgearbeitet und die filmische Form – also Doku mit Intervieweinstreuungen – beibehalten. Dadurch haben sich viele schöne Sachen wiederholt und einiges andere ist dazu gekommen, vieles ist weggefallen usw., aber der Kern ist und bleibt eben derselbe. Die Idee bleibt erhalten. Und die Idee war das, was ich so großartig fand. Die Idee und das Schauspiel.

Was genau hast du denn vorbereitet? Wie habt ihr gearbeitet?
Ich habe unsere Ursprungsimpro genommen und in die für mich verschiedenen Entwicklungsteile zerlegt. Anfangs und Endpunkte festgelegt, bei denen man gut aus – und einsteigen kann usw. Und ich habe z.B. aus allen Regeln, die wir zusammen entwickelt hatten, eine Arbeitsordnung für Kaugummi Inc. formuliert und da natürlich auch noch einige neue Sachen mit einfließen lassen. Zu der Welt gab es ja schon einige Hintergrundtexte und all das haben die Schauspieler von mir im Vorfeld bekommen. Am Drehtag sind wir dann Schritt für Schritt durch die einzelnen Teile gegangen. Geprobt haben wir nicht. Vorbesprochen auch nicht. Wir hatten ja unsere gemeinsame Impro – dadurch war vieles schon sehr klar.

Ihr hattet nur einen Drehtag?
Ja. Einen Aufbautag für das Licht und einen Drehtag. Durch den Doku-Stil habe ich alles so geplant, dass wir am Drehtag nur einmal für die Interviews umbauen mussten. Ansonsten haben wir den Tag kom- plett durchgedreht – und wenn man improvisiert, schafft man da richtig was (lacht)! Aber die Location haben wir über zwei Wochen hergerichtet. Alles gestrichen, das ganze Set gebaut usw.

Du hast den Rollenwechsel sogar für deinen Ursprungsfilm „Niemand tut es“ übernommen?
Ja. Also eigentlich war die Impro ja auch als Anregung für den Film gedacht und das ist sie definitiv auf sehr vielen Ebenen gewesen. Sowohl thematisch, als eben auch formal. Der Rollenwechsel hat mich so nachhaltig begeistert für die Thematik, dass ich ihn unbedingt wieder und gezielter verwenden will. Er- staunlicherweise haben sich die Zuschauer auch nie daran gestört. Schon bei der Ursprungsimpro nicht. Das hat mich fast gewundert. Man nimmt das einfach so hin, fühlt sich im filmischen Fluss nicht gestört und trotzdem macht es inhaltlich so viel. Das finde ich großartig.